{"id":41,"date":"2019-10-01T17:58:29","date_gmt":"2019-10-01T15:58:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wolfgangseitz.de\/?page_id=41"},"modified":"2019-10-21T10:14:04","modified_gmt":"2019-10-21T08:14:04","slug":"zu-meiner-arbeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/index.php\/zu-meiner-arbeit\/","title":{"rendered":"Zu meiner Arbeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Idee der gesellschaftlichen Plastik oder: Bewegung durch Transformation, Transformation durch Begegnung<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>&#8222;Es gibt nichts, was st\u00e4rker ist als eine Idee.&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"912\" height=\"166\" src=\"http:\/\/www.wolfgangseitz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/eigenart_collage_10_04-18-1.jpg\" alt=\"eigenart_collage\" class=\"wp-image-110\" srcset=\"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/eigenart_collage_10_04-18-1.jpg 912w, https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/eigenart_collage_10_04-18-1-300x55.jpg 300w, https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/eigenart_collage_10_04-18-1-768x140.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 912px) 100vw, 912px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieser Satz von Victor Hugo steht f\u00fcr meine Arbeit, mein  k\u00fcnstlerisches Schaffen, und ist an jedem Ergebnis meiner Projekte  ablesbar: Immer wenn ich ein Projekt beginne, ist es, als ob ein wei\u00dfes  Blatt Papier vor mir liegt, das gef\u00fcllt werden muss. Ich wei\u00df zu Beginn nicht, was am Ende entstanden sein wird. Mit einer Idee beginnt alles, ohne dass genau klar w\u00e4re, wohin es geht und was sich w\u00e4hrend der Projektzeit entwickelt. Am Schluss steht auf diesem Blatt dann eine neue Geschichte, die ein Ende hat, das zugleich ein Neuanfang ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Als handwerklich arbeitender K\u00fcnstler fasziniert mich der Werkstoff \nEisen in seinen verschiedenen Formen, insbesondere dann, wenn der \nurspr\u00fcngliche Gedanke hinter seiner Nutzung nicht mehr tr\u00e4gt, wir das \nMaterial also als Schrott bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als bildender K\u00fcnstler fasziniert mich zudem der Kontext, in dem Kunst au\u00dferhalb der ihr zugeschriebenen Orte stattfinden kann, und die Frage, wie sie dort wahrgenommen wird. So habe ich in den 30 Jahren, die ich nun in Stuttgart lebe und arbeite, sowohl in meinem Atelier als auch im \u00f6ffentlichen Raum zahlreiche Kunstaktionen initiiert und  durchgef\u00fchrt. Im Rahmen eines \u00fcber mehrere Jahre angelegten Zyklus, in dem Aktionen wie &#8222;Kunst ist M\u00fcll&#8220;, &#8222;Ausverkauf&#8220;, &#8222;offene R\u00e4ume&#8220; und &#8222;24  Stunden Feste kaufen&#8220; stattfanden, brachte die Kunstverkaufsaktion  &#8222;Alldie Kunst&#8220;, bei der ein tempor\u00e4res &#8222;Discountkaufhaus&#8220; im Mittelpunkt stand, beispielsweise junge K\u00fcnstler und ein etabliertes Kunstpublikum  zusammen. In dem ortsbezogenen Projekt &#8222;Vorfahrt&#8220; \u00f6ffneten rund 100  Bewohner einer Villenstra\u00dfe ihre H\u00e4user und Vorg\u00e4rten f\u00fcr K\u00fcnstler aus  ganz Europa, die dort ihre Arbeiten ausstellten. Bei solchen Aktionen ging es mir immer um die Begegnung mit Menschen, zwischen Menschen und  die M\u00f6glichkeit der Beteiligten, sich auszutauschen und dadurch innerlich in Bewegung zu kommen \u2013 durch das Teilnehmen, Annehmen und das  Zulassen von zun\u00e4chst Ungewohntem. Die beiden letztgenannten Aktionen  wurden umfassend dokumentiert und teilweise von st\u00e4dtischer Seite und  von Sponsoren finanziell unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als konzeptuell arbeitender K\u00fcnstler sehe ich in der Suche nach  technischen L\u00f6sungen, in der Schaffung einer Skulptur und in dem  jeweiligen Gruppenfindungsprozess Zusammenh\u00e4nge, die spannende Aspekte er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Kooperationen mit Firmen aus Baden-W\u00fcrttemberg begleite ich dar\u00fcber hinaus Ingenieure und Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen in einem Findungsprozess. Sie gehen in der kreativen Atmosph\u00e4re des  Ateliers auf die Suche nach ganz konkreten L\u00f6sungen. Betriebsspezifische  Hierarchien werden schnell \u00fcberwunden und es findet eine Begegnung auf  Augenh\u00f6he statt. Ergebnis sind nicht nur Ideenskripte, einfache Modelle  und Zeichnungen, durch die spielerische und t\u00fcftelnde Vorgehensweise  werden zudem die kreativen Ressourcen (re-)aktiviert und der Begriff der  Teamarbeit gewinnt neue Aspekte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"912\" height=\"166\" src=\"http:\/\/www.wolfgangseitz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/eigenart_collage_10_04-23.jpg\" alt=\"eigenart_collage\" class=\"wp-image-112\" srcset=\"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/eigenart_collage_10_04-23.jpg 912w, https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/eigenart_collage_10_04-23-300x55.jpg 300w, https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/eigenart_collage_10_04-23-768x140.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 912px) 100vw, 912px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Kunstprojekte, die f\u00fcr Institutionen im Rahmen der Bildungs- und  Jugendarbeit konzipiert werden, sind auf die jeweiligen Situationen und  Bed\u00fcrfnisse zugeschnitten; es bedarf hier einer individuellen Vorbereitung und des &#8222;Abklopfens&#8220; der M\u00f6glichkeiten. Sie bieten ein  Experimentierfeld, in dem Spannungen sichtbar werden und in dem jede Gruppe sehr schnell ihre Struktur offenbart: ihre Dynamik, ihre Anf\u00fchrer, ihre Mitl\u00e4ufer, ihre St\u00e4rken oder Schw\u00e4chen. Es zeigt sich, wie der Einzelne arbeiten will und kann, welchen Respekt die Beteiligten untereinander und gegen\u00fcber dem Umfeld haben. Es gibt auch die  M\u00f6glichkeit, Regeln und \u00dcberzeugungen auf den Pr\u00fcfstand zu stellen und  sowohl die eignen als auch die fremden F\u00e4higkeiten zu testen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es braucht Geduld und Zeit, um mit Jugendlichen zu arbeiten, denn vieles passiert f\u00fcr sie zum ersten Mal. Ich verlange als K\u00fcnstler, dass sich die Beteiligten trauen, mutig sind und Fehler machen. Ich versuche, ihnen die Angst vor Maschinen und schmutzigen H\u00e4nden zu nehmen \u2013 und  vor dem, was passiert, wenn sie etwas tun. Sie entdecken Werkzeuge,  halten etwa einen Schwei\u00dfbrenner in der Hand, und lernen technische  Abl\u00e4ufe zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das &#8222;Tun&#8220; oder die &#8222;Tat&#8220; ist in der heutigen Zeit nicht mehr  unmittelbar an die H\u00e4nde gebunden, sondern findet im Kopf statt. Und vieles von dem, was Jugendliche denken, haben sie nicht selbst erfahren, sondern als scheinbar feststehenden Fakt \u00fcbernommen. Seien es physikalische Formeln oder Vorurteile. Im Kunstprojekt werden sie mit etwas &#8222;Handfestem&#8220; konfrontiert und sie brauchen Spielraum, um selbst  und gemeinsam in einen Prozess zu kommen. So fragten sich bei dem  Projekt &#8222;Automobile Stadtteilskulptur&#8220; die beteiligten Jugendlichen  erstmals, was eigentlich geschieht, wenn ihre Skulptur in ihrem  Stadtteil aufgestellt wird und sie dann jemand besch\u00e4digt oder zerst\u00f6rt.  Alle stammten aus schwierigen famili\u00e4ren Strukturen, wohnten in einem  sozial schwachen Stuttgarter Bezirk und besa\u00dfen im Alltag ein hohes  Agressionspotenzial. Aber was durch die eigenen H\u00e4nde entstanden ist,  schafft eine Identifikation.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich als K\u00fcnstler ist das entstehende Objekt ein Ergebnis von vielen Elementen und Beteiligten. Es sind die Erfahrungen, die ich  w\u00e4hrend eines Projektes machen darf, und die damit verbundenen  Erlebnisse und Erkenntnisse, die mich k\u00fcnstlerisch immer wieder neu  inspirieren und Impulse f\u00fcr neue Ideen setzen. Die Energie in einem  Raum, wenn eine Gruppe zusammenarbeitet, ist f\u00fcr mich deutlich sp\u00fcrbar  und ich bin mir sicher, dass jeder Mensch in einen k\u00fcnstlerischen und  kreativen Prozess kommen kann. Ich m\u00f6chte, dass alle Beteiligten zu  einem Bestandteil der Aktion werden und zum Gelingen des jeweiligen  Experiments beitragen. Auch wenn es am Anfang nicht so scheint \u2013 am Ende  eines Projektes sehen alle ein Ergebnis, sehen ihren gemeinsamen Weg  und ihre unverzichtbare Beteiligung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob das gemeinsam mit F\u00f6rder-, Haupt- und Realsch\u00fclern geschaffene  Germersheimer Klangskulpturenwerk &#8222;Gong&#8220;, die in mehrw\u00f6chiger  Zusammenarbeit fast aller Klassenstufen der Freien Waldorfschule am  Kr\u00e4herwald, Stuttgart, realisierte &#8222;Rythmusmaschine der Fantasie&#8220;, das  mit dem Jugendhaus im Stuttgarter Problembezirk Hallschlag umgesetzte  integrative Projekt &#8222;Automobile Stadtteilskulptur&#8220;, die  &#8222;SchatzSuchMaschine&#8220; mit 1000 Jugendlichen aus verschiedenen  Bildungseinrichtungen im Museum und Park Kalkriese (im Sommer 2012) oder die vielleicht m\u00f6gliche Realisierung einer Kunstaktion mit israelischen  Bildungsinstitutionen, eines verbindet all diese Projekte: Jedes ist erst einmal eine Idee.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Idee einer gesellschaftlichen Plastik hei\u00dft:<br>Es geht darum, sich wahrzunehmen.<br>Es geht darum, sich f\u00fcr Neues zu \u00f6ffnen, neugierig zu werden.<br>Es geht darum, Vorurteile abzubauen und Selbstverantwortung zu \u00fcbernehmen.<br>Es geht darum, Dinge zu hinterfragen.<br>Es geht darum, viele Arbeits- und Lebensbereiche kennenzulernen.<br>Es geht darum, Technik kreativ zu vermitteln.<br>Es geht darum, verschiedene Formen der Kunst zusammenzuf\u00fchren.<br>Es geht darum, Grenzen auszuloten und zu \u00fcberschreiten.<br>Es geht darum, Bewegung stattfinden zu lassen \u2013 in den H\u00e4nden, im Kopf, im Herzen.<br>Es geht um Bewegung durch Transformation.<br>Es geht um Transformation durch Begegnung.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>&#8222;Es gibt nichts, was st\u00e4rker ist als eine Idee.&#8220;<\/strong><\/em><br>Wolfgang Seitz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Idee der gesellschaftlichen Plastik oder: Bewegung durch Transformation, Transformation durch Begegnung &#8222;Es gibt nichts, was st\u00e4rker ist als eine Idee.&#8220; Dieser Satz von Victor Hugo steht f\u00fcr meine Arbeit, mein k\u00fcnstlerisches Schaffen, und ist an jedem Ergebnis meiner Projekte ablesbar: Immer wenn ich ein Projekt beginne, ist es, als ob ein wei\u00dfes Blatt PapierContinue reading &rarr;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-41","page","type-page","status-publish","hentry","no-thumb"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/41","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/41\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":687,"href":"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/41\/revisions\/687"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wolfgangseitz.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}